Pakistan - Part 1

Der erste Eindruck zu Pakistan lässt unsere Gesichter einfach nur strahlen. Von China kommend befinden wir uns am weltweit höchstbefahrbaren Grenzübergang auf 4.693m und sind von dieser Willkommenskultur mehr als beeindruckt. Viele Pakistaner sind an diesem Tag als kühleres Ausflugsziel hierher zum Khunjerab Pass gekommen. Nun werden wir von der Menge überrannt und mit Freundlichkeit überschüttet: Sie wollen uns alle kennenlernen, bitten um unzählige Selfies, einige Interviews und noch direkt am Grenzzaun wird spontan getanzt und gefeiert - wenn sich Pakistaner so über neue Gäste freuen, muss das Land einfach nur herzlichlich sein!

 

Und auch der zweite Eindruck bringt unsere Augen zum Leuchten: Die Landschaft ist atemberaubend schön, die Menschen unglaublich nett und die Gastfreundschaft einzigartig großzügig - daran können wir uns wirklich ein Beispiel nehmen. So kommt es u.a. vor, dass wir uns zum Mittagessen einen Fisch bestellen, zufällig einen kurzen Plausch mit einem freundlichen Pakistaner halten und dieser ganz selbstverständlich unsere Rechnung begleicht. Außerdem treffen wir am Khunjerab Pass auf einen BMW-Biker namens Waseem, der uns einlädt, in ein paar Tagen seine Firma zu besichtigen, die maßgeschneiderte Motorradanzüge aus Leder herstellt und verkauft. Aber dazu später mehr - jetzt wartet erst mal die Weiterfahrt auf dem legendären Karakorum Highway, der uns durch die aufeinandertreffenden Gebirgsketten des Hindukusch, Pamir, Karakoram und Himalaya bis ins Hunzatal führen wird.

 

Wir schlagen unser Lager für die nächsten Tage in Passu auf und erkunden von dort aus die umliegenden Täler wie das Misgar Valley und Shimshal Valley, die wie ein Abstecher in eine andere Welt sind. Kaum vorstellbar, wie beschwerlich und gefährlich der einzige Versorgungsweg zum Dorf Shimshal ist, der auch im Winter von den Einheimischen befahren wird.

 

Weiter südwärts dem Hunza Fluss folgend machen wir Halt am türkisfarbenen Attabad-Stausee, dessen Wasserspiegel seit einem Bergsturz 2010 ca. 300m höher liegt und mehrere Dörfer verschwinden ließ. Seit 2015 ist die neue Umfahrungsstraße eröffnet und erst die Pakistan-China Friendship Tunnel machen es möglich, dass der Karakorum Highway wieder durchgängig befahrbar ist.

 

Das Bergpanorama mit deren zahlreichen 7.000er Gipfeln und Gletschern zaubert uns regelmäßig ein breites Lächeln ins Gesicht - wie z.B. im Hopar Valley mit Blick auf den Bualtar Geltscher.

Am Fuße des Rakaposhi sitzen wir auf knapp 2.000m an einem Gebirgsbach, der das Schmelzwasser rauschend talabwärts fließen lässt. Wir bestaunen den 7.788m hohen Gipfel und den durchgängigen rund 6.000m steilen Aufstieg, der weltweit einzigartig ist. 

 

Unser Umweg ins Rupal Valley wird leider nicht mit einem Blick auf den wolkenverhangenen 8.126m hohen Nanga Parbat belohnt. Jedoch ist die Gletscher-Kulisse der umliegenden Berggipfel eine gelungene Entschädigung und wir verbringen die Nacht glücklich in unseren Zelten.

Am nächsten Tag geht's weiter in den Deosai Nationalpark - dazu mehr in Teil 2.

 

《245 Tage, mehr als 20 Grenzübertritte, zwei KTM 790 Adventure R und mindestens 30.000 Kilometer.

Wir fahren von Salzburg nach Singapur – mit dem Motorrad.》


Pakistan - Part 2

Der Deosai Nationalpark und die umliegenden Täler gehören wohl zu den schönsten Landschaften Pakistans und sind nur einen Steinwurf zur umstrittenen Kashmir-Region entfernt. Befestigte Straßen sind im Nationalpark nicht erlaubt, so dass eine Buckelpiste der Extraklasse hindurch führt. Die grünen Hügeln des Deosai Nationsparks werden vom Sheosar Lake auf 4.142 Metern gekrönt und locken zahlreiche Pakistaner zu Tagesausflügen an. Mit den u.a. dort lebenden Braunbären, Wölfen und Schneeleoparden machen wir leider bzw. zum Glück keine nähere Bekanntschaft - dafür mit der einzigartigen Natur. Wir erholen uns ein paar Tage in Skardu bevor es den selben Weg zurück und über Islamabad weiter südlich in Pakistans Textilindustrie nach Sialkot geht.

 

Der Einladung von Waseem kommen wir sehr gerne nach und er gibt uns einen tollen Einblick in seine Manufaktur von maßgeschneiderten Lederanzügen - wären wir nicht bereits so begeistert mit den Touratech-Anzügen unterwegs, würden wir uns gleich welche anfertigen lassen. Im Anschluss steht die Besichtung einer Textilfabrik für Militärische Luftfahrt und eines Herstellers von Feinwerkzeugen für die Medizinbranche auf dem Programm. Es ist interessant zu sehen wie unter teilweise einfachsten Umständen qualitativ sehr hochwertige Produkte entstehen. Der lokale Bikerclub organisiert für uns spontan einen Tagesausflug ins ländliche Dorfleben. Wir bekommen erntefrische Mangos und haben eine unvergessliche Zeit zusammen. Dabei begleitet uns immer eine beispiellose Gastfreundschaft. Wir verbringen mehrere Tage bei unserem neuen Freund Waseem, lernen den pakistanischen Alltag näher kennen und werden als Teil seiner Familie behandelt. Somit besteht er darauf, uns ohne Ausnahme auf wirklich alles einzuladen - einfach unglaublich! Wir sind ihm für immer dankbar und revanchieren uns mit einer Einladung nach Deutschland. Waseem lässt es sich nicht nehmen mit uns gemeinsam auf seiner BMW nach Lahore weiterzufahren.

 

Für ihn ganz selbstverständlich sind wir bei seiner Schwester eingeladen und er zeigt uns als persönlicher Stadtführer die moderne Millionenmetropole inklusive Altstadtcharme. Am nahelegenen Grenzübergang zu Indien müssen wir leider Abschied nehmen. Den meisten Pakistaner ist es verwehrt ihr Nachbarland einfach zu besuchen - außer sie haben dort Familie. Die berühmte und ziemlich verrückte Parade der täglichen Grenzschließung werden wir uns auf der indischen Seite anschauen. Viele Pakistaner haben uns immer wieder neugierig gefragt, wie wir ihr Land finden? Unser Eindruck ist eindeutig: Unglaublich friedvoll, beispiellos gastfreundlich und einfach nur wunderschön - eine absolute Reiseempfehlung!

 

《245 Tage, mehr als 20 Grenzübertritte, zwei KTM 790 Adventure R und mindestens 30.000 Kilometer.

Wir fahren von Salzburg nach Singapur – mit dem Motorrad.》